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Eine Sirene (griechisch Σειρήν Seirēn) ist in der griechischen Mythologie ein weibliches
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Odysseus und die Sirenen (Vasenbild, ca. 475-450 v. Chr.)

Fabelwesen (Mischwesen aus ursprünglich Frau und Vogel, später auch Frau und Fisch), das durch seinen betörenden Gesang die vorbeifahrenden Schiffer anlockt, um sie zu töten.

Namen und AnzahlBearbeiten

Homer gab den Sirenen (Seirenes, auch Acheloides oder Acheloiades genannt) in seiner Odyssee keine eigenen Namen, erwähnte aber, dass es zwei gewesen seien. Erst spätere Autoren führten Eigennamen an, bezifferten ihre Anzahl meist auf drei. Als Namen werden u. a. angegeben:

  • Aglaophonos („die mit der schöneren Stimme“; Varianten u. a.: Aglaope („herrliche Stimme“), Aglaopheme („süße Rede“))
  • Ligeia („die Helltönende“)
  • Thelxiope („bezaubernde Stimme“; Varianten u. a.: Thelxinoe („den Geist Fesselnde“), Thelxiepeia („Bezaubernde“))

Hier eine Auswahl der Namenszusammenstellungen bei antiken Schriftstellern:

  • Thelxiope oder Thelxinoe, Molpe, Aglaophonos
  • Thelxiepeia, Aglaope, Peisinoe
  • Thelxiepe, Molpe, Pisinoe
  • Leukosia, Ligeia, Parthenope

Platon spricht in einem kosmologischen Kontext von acht Sirenen, gibt deren Namen aber nicht an.

AbstammungBearbeiten

Homer erwähnte auch nicht die Eltern der Sirenen. Mehrere spätere Autoren führten den Flussgott Acheloos als Vater der Sirenen an, die er mit einer der neun Musen, entweder Melpomene oder Terpsichore oder Kalliope gezeugt habe. Als weitere Variante werden Acheloos und Sterope als Eltern angegeben. Euripides erwähnte in seinem Stücke Helena nur die Mutter der Sirenen, welche die Erdgöttin Gaia gewesen sei, während Sophokles die Sirenen laut Plutarch vom Meeresgott Phorkys abstammen ließ.

AussehenBearbeiten

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Griechische Sirene (340–300 v. Chr.).

Über das Aussehen der Sirenen berichtete Homer ebenso wenig wie über ihre Namen oder Herkunft. In der Ikonographie erscheinen sie in den ältesten bekannten Darstellungen (ab etwa 650 v. Chr.) als Vögel mit Menschenköpfen, ab und zu auch männlich mit Bart. Sie gehörten wohl ursprünglich in den Bereich der Todesdämonen und waren mit den Harpyien und Lamien verwandt. Seit etwa 550 v. Chr. wurde auch ihr Oberkörper menschlich, mit weiblicher Brust und Armen, abgebildet. Später trat ihr dämonischer Charakter zurück und sie wurden seit etwa 400 v. Chr. auf Grabdenkmälern als durch elegische Musik unterstützende Helferinnen der Totenklage präsentiert, wobei sie als schöne Frauen mit Vogelattributen dargestellt waren. Auch Euripides sieht sie als Musen der Totenklage.

Es gab verschiedene Sagenfassungen, wie die Sirenen ihre Gestalt bekommen haben sollen: Ovid berichtet, dass sie Gespielinnen der Göttin Proserpina (bzw. der Persephone in der griechischen Mythologie) waren und sich auf die Suche nach ihr machten, als sie von Pluto (bzw. Hades) geraubt worden war. Weil sie Proserpina nicht fanden, ersuchten sie die Götter um die Verleihung von Flügeln, damit sie die Entführte auch auf dem Meer suchen könnten, woraufhin ihre Verwandlung stattfand. Nach einer anderen Erzählung ließen die Sirenen zu, dass Pluto die Proserpina entführte und wurden später von deren Mutter Ceres (bzw. Demeter) zur Strafe in geflügelte Wesen verwandelt. Als dritte Variante gibt der Homer-Kommentator Eustathios an, dass die Sirenen einstmals Mädchen waren und wegen ihrer Unwilligkeit zu heiraten durch die Göttin Aphrodite zu Vögeln gemacht wurden.

In mittelalterlichen (literarischen sowie bildnerischen) Bearbeitungen wurden die Sirenen auch als Mischwesen von Menschen und Fischen dargestellt und als Meerjungfrauen bezeichnet. So beschreibt der Liber Monstrorum sie als Seefahrer durch bezaubernden Gesang anlockende Frauen, deren untere Hälfte aus einem geschuppten Fischleib bestehe. Laut Boccaccio waren sie bis zum Nabel menschen-, darunter fischförmig und besaßen außerdem Flügel. In einigen moderneren Adaptionen des Themas werden Sirenen mit Nixen gleichgesetzt.

Begegnung mit Orpheus und OdysseusBearbeiten

Es gelang sowohl Odysseus als auch Orpheus, an der Sirenen-Insel vorbeizusegeln, ohne ihrem betörenden Gesang zu erliegen.

Als die Argonauten in die Nähe der Sirenen-Insel kamen, konnte Orpheus ihren Gesang mit seiner Leier übertönen. Fast die gesamte Mannschaft kam so heil aus dem Abenteuer heraus. Nur Butes hörte dennoch ihre betörenden Stimmen, sprang vom Schiff und schwamm auf die Insel zu, wurde aber gerade noch rechtzeitig von Aphrodite gerettet, die ihn von den Wellen nach Lilybaion auf Sizilien tragen ließ.

Laut Homer, der die älteste literarische Überlieferung der Sirenensage liefert, lockten die beiden auf einer Insel wohnenden Sirenen Seefahrer nicht nur durch ihre bezaubernde Stimme an, sondern vor allem durch ihre Fähigkeit, alles auf Erden Geschehende zu wissen und offenbaren zu können. Folgten die Seeleute ihnen auf die Insel, waren sie verloren und starben, vielleicht aufgezehrt vom Zuhören, ein Opfer ihrer Neugier. Ihr genaues Schicksal wird in der Odyssee nicht angegeben und nur von bleichen Knochen vermoderter Menschen berichtet. Offenbar dienten sie den Sirenen nicht als Nahrung. Odysseus wollte den Sirenen-Gesang aus Neugier dennoch hören. Er ließ auf den Rat der Zauberin Kirke hin seinen Gefährten die Ohren mit geschmolzenem Wachs verschließen und sich selbst an den Mast des Schiffes binden. So konnte er den Gesang der Sirenen zwar vernehmen, die ihm bei einem kurzen Besuch die Zukunft mitzuteilen versprachen, aber als er hingerissen folgen wollte, banden die Gefährten seine Seile wie vorher ausgemacht noch fester. Außer Hörweite gekommen, verlor der Zauber seine Wirkung.

WohnsitzBearbeiten

Nach der mythischen Geographie Homers lag die Insel der Sirenen zwischen Aiaia, der Insel der Kirke, und den Klippen von Charybdis und Skylla, die später in der Straße von Messina lokalisiert wurden. Laut einem Hesiod-Fragment hieß die Insel der Sirenen Anthemoessa, doch wird deren Position nicht genauer bezeichnet. Laut Aristoteles hieß aber Samos früher Anthemoessa. Eine andere Überlieferung lokalisierte die Heimat der Sirenen im Tyrrhenischen Meer, etwa auf den Sirenusen südlich der Halbinsel von Sorrent oder am sizilischen Vorgebirge Pelorias nahe dem Ätna. Auch die Insel Capreae wurde als Wohnsitz der Sirenen genannt. Am Hafen von Neapel soll sich das Grab der dort nach ihrem Sprung ins Meer tot angespülten Parthenope befunden haben; in Neapel wurde auch ihr Kult begangen.

Wettstreit mit den MusenBearbeiten

Eine Sagenversion erzählte, dass die Sirenen sich auf die Aufforderung von Hera hin in einen Wettstreit mit den Musen, wer schöner singen könne, einließen und unterlagen. Dabei mussten sie "Federn lassen", aus denen sich die Musen Kränze flochten. Stephanos von Byzanz lokalisiert den Wettkampf in der Stadt Aptera auf Kreta.

TodBearbeiten

Erst für die hellenistische Zeit ist literarisch der Sagenzug belegbar, dass die Sirenen nach einer Niederlage Selbstmord verübten. Laut Hyginus konnten sie nur so lange leben, wie sie imstande waren, jeden vorbeifahrenden Seemann durch ihren Gesang zu verlocken und so dessen Untergang zu bewirken. Nachdem sie an Odysseus gescheitert waren, stürzten sie sich ins Meer und starben. Andere Quellen geben als Ursache für ihren Selbstmord das erfolgreiche Vorbeisegeln der Argonauten an oder ihr Scheitern beim Versuch, die Musen im Gesang zu übertrumpfen. Nach ihrem Tod wurden sie in Inseln oder Klippen verwandelt. Bezüglich ihrer Allwissenheit und Todesumstände ähneln sie der Sphinx.

ChristentumBearbeiten

In der moralischen Mythendeutung des antiken und mittelalterlichen Christentums galten Sirenen als Verkörperung der von Frauen ausgehenden gefährlichen Versuchung und der zu Sinneslust verführenden weltlichen Reize. Der Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandria erblickte in ihnen ein Symbol der Mode, die wie eine bedrohliche Charybdis oder die mythologischen Sirenen sei. Mode bringe den Menschen vom Weg der Wahrheit ab und führe ihn ins Verderben. Boccaccio beschrieb die Sirenen als Huren. Ihre Flügel sollen ihren oftmaligen Partnerwechsel symbolisieren.

LiteraturBearbeiten

  • Helga Arend: Sirene, Taube und Möwe: Die Frau als Vogel. In: Renate von Bardeleben (Hrsg.): Frauen in Kultur und Gesellschaft. ausgewählte Beiträge der 2. Fachtagung Frauen-/Gender-Forschung in Rheinland-Pfalz, Band 2. Stauffenburg, Tübingen 2000, S. 111-122. ISBN 3-86057-792-1.
  • Hildegund Gropengiesser: Sänger und Sirenen. Versuch einer Deutung. In: Archäologischer Anzeiger 1977. S. 585–610. ISSN 0003-8105
  • Eva Hofstetter: Seirenes. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band VIII, Zürich/München 1997, S. 1093–1104.
  • Eva Hofstetter: Sirenen im archaischen und klassischen Griechenland. (Beiträge zur Archäologie, hrsg. von Heide Froning, Tonio Hölscher, Erika Simon) Würzburg 1990, ISBN 3-87825-042-8
  • Ursula Kopf-Wendling: Die Darstellungen der Sirene in der griechischen Vasenmalerei des 7., 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. Meier. 1989. ISBN 3-9801771-2-2
  • Andreas Kraß: Meerjungfrauen. Geschichten einer unmöglichen Liebe. Fischer, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-10-038195-8.
  • Emil Kunze: Sirenen. In: Athener Mitteilungen|Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Abteilung Athen 57. 1932. S. 124–141.
  • Hans-K. Lücke, Susanne Lücke-David: Sirenen. In: Helden und Gottheiten der Antike. Ein Handbuch. Der Mythos und seine Überlieferung in Literatur und bildender Kunst Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2002. ISBN 3-499-55641-3, S. 516–527.
  • Cornelia Weber-Lehmann, Die so genannte Vanth von Tuscania: Seirene anasyromene, in: Jahrbuch des Deutschen Archäoloischen Instituts 112.1997, 191-246.
  • Georg Weicker: Sirenen. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 4, Leipzig 1915, Sp. 601–639 (Digitalisat).
  • Werner Wunderlich (Hrsg.): Mythos Sirenen. Texte von Homer bis Dieter Wellershoff. Reclam, Ditzingen 2007. ISBN 3-15-020153-5 (Anthologie mit 160 Texten) Inhaltsverzeichnis
  • Johannes Zwicker: Sirenen. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III A,1, Stuttgart 1927, Sp. 288–308.

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