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Kerberos (griech. Κέρβερος, latinisiert Cerberus, dt. auch Zerberus – „Dämon der Grube“,
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Kerberos zu Füßen von Hades, des Gottes der Unterwelt. Römische Marmorstatue, um 180 n. Chr (Archäologisches Museum Iraklio, Kreta)

bei Plutarch Phoberos - „Der Furchtbare“) ist in der griechischen Mythologie der Höllenhund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht, damit kein Toter herauskommt und auch kein Lebender eindringt.

MythosBearbeiten

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Inferno, Canto VI, 12-35, Cerberus - Zeichnung von William Blake (Illustration zu Dantes Göttlicher Komödie), 1825 (National Gallery of Victoria, Melbourne)

Kerberos, das Ungeheuer, wurde zumeist dreiköpfig dargestellt, aber auch mit einem, zwei, fünfzig oder sogar mit hundert Köpfen. Die Künstler und Dichter versahen ihn oft mit einem Schlangenschwanz bzw. einer Schlange als Schwanz, Schlangenhaaren und Schlangenköpfen oder ganzen Schlangen auf dem Rücken. Sein Bellen klang metallisch und sein Atem war tödlich. Die Sage berichtet, dass dem Kerberos, als ihn Herakles – wie es eine der ihm von Eurystheus gestellten Aufgaben war – zur Oberwelt verschleppt hatte, der Speichel aus dem Maul troff und davon die todbringend giftige Blume Akóniton aus dem Boden spross, hierzulande bekannt als Eisenhut. Auch Ovid erzählt in seinen Metamorphosen von dem Gift Aconitum. Medea habe es aus ihrer Heimat an der Küste des Schwarzen Meeres mitgebracht und versucht, damit den Theseus zu töten. Dieses Gift sei einst aus dem Geifer des wütenden Höllenhundes zu einer Pflanze entsprungen.

In den homerischen Gesängen der Odyssee wird Kerberos von Odysseus nach seiner Rückkehr aus der Unterwelt folgendermaßen beschrieben:

„Auch den Kerberos sah ich, mit bissigen Zähnen bewaffnet Böse rollt er die Augen, den Schlund des Hades bewachend. Wagt es einer der Toten an ihm vorbei sich zu schleichen, So schlägt er die Zähne tief und schmerzhaft ins Fleisch der Entfliehenden Und schleppt sie zurück unter Qualen, Der böse, der bissige Wächter.“

In der Theogonie des Hesiod ist Kerberos ein Kind der Echidna und des Typhon, seine
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Herakles präsentiert Eurystheus den von ihm im Kampf besiegten und aus der Unterwelt entführten Höllenhund. Caeretaner Hydria um 525 v. Chr. (Louvre, Paris)

Geschwister sind die Chimäre, die Hydra, der Nemeische Löwe, der zweiköpfige Hund Orthos und die von diesem mit der Mutter gezeugte Sphinx. Hesiod schildert ihn als „...den blutrünstigen, den des Hades fünfzigköpfigen Hund mit der Kupferstimme.“

Orpheus brauchte nicht wie Herakles zu kämpfen, um den Kerberos zu besiegen. Er gelangte in die Unterwelt, um von dort seine Gemahlin Eurydike zurückzuholen, weil er den wütenden Wächter mit seinem Lyraspiel und seinem Gesang besänftigen konnte. Psyche wiederum bestach ihn zweimal mit Honigkuchen, einmal beim Betreten und einmal beim Verlassen der Unterwelt. So schaffte sie es, den Auftrag der Venus zu erfüllen und dieser eine Dose mit der Schönheit der von Pluto in sein Reich entführten Proserpina zu bringen. Honig war auch in dem Schlafmittel, das die apollinische Seherin Sibylla, die Aeneas zum Eingang zur Unterwelt begleitete, dem Höllenhund gab, der „mit dreifach klaffenden Schlünden" danach schnappte und sich betäubt hinstreckte, wie es in der Aeneis heißt.

Orte, wo die Menschen glaubten, dass sich dort der Eingang zur Unterwelt befinde, hinter
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Herkules und Cerberus, Kupferstich von Hans Sebald Beham (1545)

dem die Bestie wacht, gibt es mehrere. Herakles soll an der kleinasiatischen Schwarzmeerküste bei Herakleia Pontike (heute Karadeniz Ereğli) hinabgestiegen sein. Homer dagegen ließ den Odysseus bei der "Stadt der kimmerischen Männer" in der westlich von Neapel gelegenen Vulkanlandschaft auf die Seele des Sehers Teiresias treffen. Und dort ist auch der Ort, wo Vergils Aeneas das Reich der Toten betrat. Letztere sollen nach altem Glauben über den Acheron (Schwarzer Fluss) zum Averner See und von dort durch die Höhlen in den Kraterwänden des Vulkans Avernus in die Unterwelt gelangt sein. Orpheus wiederum fand den Eingang auf dem Tainaron an der Südspitze des Peloponnes. Pausanias berichtet in seiner Betrachtung Griechenlands, dass dieser bei Hermione im Nordosten der peloponnesischen Halbinsel gewesen sei. Dionysos sei hier hinabgestiegen, um seine Mutter Semele aus dem Hades zu retten.

In Aristophanes' Komödie „Die Frösche“ ist nicht Kerberos der Türhüter der Unterwelt, sondern Aiakos der Sternenjäger, in der Mythologie ein Sohn des Zeus, der wegen seines Gerechtigkeitssinns nach seinem Tod zum Richter der Unterwelt berufen wurde. Dieser ersetzt den Hund ebenfalls in satirischen Werken des Lukian von Samosata.

RezeptionBearbeiten

Dantes Göttliche KomödieBearbeiten

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Illustration von Gustave Doré zu Dantes Göttlicher Komödie, 1861

Auch in Dantes Göttlicher Komödie, die der Dichter 1307 zu schreiben begann, kommt Kerberos vor. „Ein Untier, wild und seltsam, Zerberus, / Bellt, wie ein böser Hund, aus dreien Kehlen / Jedweden an, der dort hinunter muss.“ Dante trifft auf ihn, als er im dritten Kreis der Hölle (6. Gesang) angelangt ist, in dem die Schlemmer büßen - vom ewigen Regen durchnässt, in Schlamm und Kot versinkend. Diese bewacht er und heult „wie ein Hund“ über sie hin, die ebenso „wie Hunde heulen“. „Rot sind die Augen, schmutzigschwarz der Bart, / mächtig sein Wanst und scharf bekrallt die Tatzen /
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Höllenhund, Plastik von Waldemar Grzimek in der U-Bahn-Station Rathaus Steglitz, Berlin

er kratzt, zerfleischt die Geister, vierteilt sie“ Kerberos ist grausam gegen die Toten und verkörpert zugleich das Laster, für das sie bestraft werden: die Gier. Doch ist deren zivilisierte Schlemmerei von einst in ihm, der nach altem Mythos durch Honigkuchen zu besänftigen war, zum rein Animalischen abgesunken. Vergil, der Führer Dantes durch die Hölle, hebt mit beiden Händen Dreck auf und wirft ihn dem Tier ins gefräßige Maul und bringt es so zum Schweigen. – Illustriert wurde diese Szene von Gustave Doré (siehe Abbildung).

RedewendungBearbeiten

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Kerberos bewacht den Innenhof der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm

Im übertragenen – scherzhaften – Sinn wird ein strenger, grimmiger Wächter (beispielsweise ein Pförtner oder eine Chefsekretärin), im Besonderen auch ein verwegener Torwart als Zerberus bezeichnet.

BiologieBearbeiten

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Giftige Schlangen mit Hundekopf tragen den Namen des Hundes mit dem Schlangenschwanz: Cerberus rynchops

Giftige Schlangen mit Hundekopf tragen den Namen des Hundes mit dem Schlangenschwanz: Cerberus rynchops. Cerberus heißt eine Gattung der Familie der Wassertrugnattern mit den vier Arten Cerberus australis, Cerberus microlepis, Cerberus rynchops und Cerberus dunsoni. Dies sind Schlangen, deren Kopf dem eines Hundes ähnelt (zu finden in Australien und Südostasien sowie auf den Palauinseln). Cerberus rynchops trägt auch den deutschen Namen Hundskopf-Wassertrugnatter. Wie alle Wassertrugnattern besitzen die Cerberus-Arten Giftzähne hinten im Maul (Trugnattern) und können auch dem Menschen gefährlich werden. Giftigkeit und Hundsköpfigkeit sind die Referenz zum mythologischen Wächter mit dem Schlangenschwanz.

InformatikBearbeiten

Kerberos bezeichnet einen Authentifizierungsdienst für offene und unsichere Computernetze – zum Beispiel das Internet. Der Name für den elektronischen Torhüter ist dem Wächter der Unterwelt entlehnt – offenbar ein Prädikat für die Unbestechlichkeit bei der Kontrolle des Computernetzes. Hier sind gewissermaßen der Client, der Server, den der Client nutzen will, und der Kerberos-Server die drei Köpfe.

WirtschaftBearbeiten

Cerberus Capital Management ist ein internationales Private Equity-Unternehmen mit Sitz in New York. Es heißt, für den Gründer Stephen Feinberg habe bei der Wahl des Namens Cerberus eine Rolle gespielt, dass einer der Köpfe des mythologischen Vorbilds immer wach gewesen sei, so, wie sein Unternehmen stets die Investitionen der Kunden bewachen solle.

LiteraturBearbeiten

  • Hans Martin von Erffa: Cerberus, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 3, 1952, Sp. 394–397
  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen – Die Götter- und Menschheitsgeschichten, dtv, München 1994. ISBN 3-423-30030-2
  • Michael Grant und John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. dtv, München 2004. ISBN 3-423-32508-9
  • Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie – Quellen und Deutung. rororo, Hamburg 2001. ISBN 3-499-55404-6
  • Raphael Baer: Das Schwören des Sokrates „beim Hunde!“. In: Xenophons Apologie des Sokrates. Hrsg. von R. Baer, Verlag Bär, Niederuzwil 2007. ISBN 978-3-9523212-3-2

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