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Entsetzt stand ich auf. Ich hatte keine Ahnung was das gewesen war, geschweige denn was es wirklich von mir wollte. Nervös knetete ich meine Finger. Erst diese vielen Schatten und jetzt kann ich im Geiste auch noch Stimmen hören? Ich muss doch echt verrückt geworden sein. Wie ein wild gewordener Tiger stapfte ich am Feuer auf und ab, unschlüssig, was ich davon halten sollte. Liana sah mich mit ihrem hellgrauen Auge an, als ob sie wisse was gerade passiert ist. Aber wie konnte sie das wissen? Hatte sie die Stimme etwa auch gehört? Dem musste ich unbedingt auf den Grund gehen, entschloss ich mich. Doch sie kam mir ein weiteres Mal zuvor. Diese verdammte Frau, irgendwie wusste sie einfach alles!

„Die Stimme, du hast sie auch gehört stimmt's? Ich habe sie vor ein paar Tagen wahr genommen. Und falls du dich fragst, nein ich habe nicht gehört was sie dir sagte, das weißt nur du was du gehört hast.“

Ein Schauer lief mir über den Rücken. Das gab es doch echt in keinem Kino. Wenn dies ein Film war, wollte ich schreiend aus dem Kino rennen. So schlecht gemacht und obwohl das alles auf seine Weise amüsierend war, jagte es mir doch Schweißperlen vor Angst auf die Stirn. Mein Herz hämmerte gegen meine Brust und es fühlte sich so an als würde diese zerspringen.

Das Feuer ließ langsam nach. Kein Wunder, es brannte schließlich schon einige Zeit. Ebenfalls war es so ruhig und kalt geworden, dass man Angst haben müsste, dass es alles einnehmen würde. Liana schien es ebenfalls bemerkt zu haben denn sie ging zum Feuer und griff nach etwas was in der Nähe lag. Zwei schier riesige Fackeln. Gar nicht mal so blöd diese Frau auch wenn ich mich fragte wo sie diese Fackeln so plötzlich her hatte. Sie schob sie in das Feuer und wartete, dass das in Wachs getränkte Seil Feuer fing. Mit den brennenden Stäben richtete sie sich auf und drückte mir eine davon in die Hand.

„Hier, wirst du brauchen. Ich hoffe du kannst bei Licht schlafen.“

Ich wusste nicht, ob ich es konnte oder nicht, aber ich war eh so erledigt, dass das ziemlich egal war und wenn mir dadurch nichts passiert ist ja alles in bester Ordnung. Das Holz um das das in Wachs getränkte Seil gewickelt war splitterte ein wenig, sodass ich es nur mit großer Vorsicht anfasste. Dennoch hätte ich vielleicht ein wenig fester zugreifen sollen denn so tropfte die Fackel und heißes Wachs lief mir über die Hand. Ich war kurz davor zu schreien, ließ es aber, als Liana mir einen warnenden Blick zu warf, sein.

Unser Weg führte uns durch etwas längere Gänge in diesem Höhlensystem. Die Wände glitzerten und funkelten wie verrückt. Edelstein- und Goldadern flossen durch sie hindurch und reflektierten das Licht der Fackeln. Ich genoss das ungewohnte sanfte Lichtgefühl. Es war ganz anders in diesen Gängen als draußen in der Luft oder der Stadt unter der Stadt. Das System der Abwasserkanäle war einfach, ließ aber wenig Licht zu und wenn es doch hinein schien war es grell und schmerzhaft für die Augen. Draußen war das Licht oftmals auch grell, neutralisierte sich dennoch durch die Landschaften. Aber hier war es ganz anders. Das Licht war sanft und tauchte alles in eine wohlige Atmosphäre.

Mir wurde erst klar, dass ich fasziniert mit offenem Mund die Wände begaffte als Liana sich lachend immer weiter von mir entfernte. Solch ein Mist, das war jetzt wirklich nicht gewollt gewesen. Ich schloss meinen Mund und wetzte hinter ihr her. Sie konnte anscheinend nicht aufhören zu lachen, denn sie krümmte sich bereits im dritten Lachanfall. Ich knirschte frustriert mit den Zähnen. Auch wenn Liana jetzt fröhlich lacht und ich mich lediglich darüber ärgerte so bescheuert die Wände begafft zu haben spürte ich, dass die Schatten uns folgte. Das Feuer musste also schon ausgegangen sein, sonst würden sie uns wahrscheinlich nicht verfolgen.

„Schon mal einen Schatten wahrhaftig gesehen? Sie sind die fürchterlichsten Kreaturen unter die unter und über der Erde wandeln aber wenn treu. Wenn du sie als Freund gewinnst garantieren sie dir ein Leben lang für deine Sicherheit.“

„Sind sie hier als Freund oder Feind?“

„Weder noch so wirklich. Ich habe nie mit dieser Gruppe gesprochen. Ihr Anführer ist sehr kriegerisch und ich wollte keinen Stress heraufbeschwören.“

„Zeigt er sich manchmal?“

„Nicht, dass ich wüsste.“

„Kennst du einige Schatten persönlich? Wie sind sie so? Woher weißt du, dass sie so Treu sind? Was sind sie für eine Art?“

„Das sind viele Fragen, dennoch wirst du sie dir selber beantworten müssen. Das ist nicht meine Aufgabe.“

Frustriert stampfte ich auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Beim Aufstehen hatte ich etwas weg gekickt. Ich bückte mich um zu schauen, was es gewesen ist. Das Licht reflektierte etwas Silbernes. Um genauer zu sehen was es ist senkt ich die Fackel ein wenig. Es war ein reich verziertes rundes Amulett, in dem mehrere Keltische Muster eingraviert waren. Auf dem Ring war ein Pentagramm in dessen Mitte ein kleiner Rubin saß. Ich wollte es schon aufheben da trat ein Schatten dicht an mich heran. Er hob das Amulett auf und reichte mir eine Hand, um mir herauf zu helfen. Mit großen Augen betrachtete ich das Monster, welches vor mir stand.

- Ich mag zwar ein Schatten sein aber wir sind nicht nur Monster, weißt du? -

Ich schreckte zurück als ich den tiefen Bass in meinem Kopf vernahm. Warum sprach er nicht wie jeder andere auch? Was war so anders bei einem Schatten? Tausende Fragen drängten sich in mein Bewusstsein und Angst machte sich in mir breit. Was wollte der bloß von mir.

- Nun lass dir doch hoch helfen, der Boden ist kalt! -

Zögernd ergriff ich seine Hand und wurde mit einem Ruck auf die Beine gezogen. Ich stolperte vorwärts und fiel in seine Arme. Er lächelte und legte mir einfach so das Amulett um den Hals, wobei er einige meiner schwarzen Flechten beiseite schob. Es jagte mir einen Schauer über den Rücken.

„Danke.“

Er lächelte mich an, verschwand dann aber einfach als Liana zu mir zurück stapfte. Ihr Gesicht war mit Sorgenfalten zerfurcht.

„Ich bring dich jetzt besser zu deinem Schlafplatz, dieser Ort scheint dir nicht gut zu tun.“

Sie nahm mich beim Arm und zerrte mich in eine Höhle etwas weiter hinten. Vor der Höhle waren Wurzeln welche den Eingang wie eine Tür verdeckte. Sie begleitete mich zu einem kleinen Vorsprung in der Wand. Er war auf Kniehöhe und groß genug um als Bett benutzt werden zu können. Ohne groß Worte zu verschwenden drückte sie mich auf den Fels, wandte sich ab und befestigte die Fackel am Eingang in der Wand.

Ich sank unter ihrer stärke einfach so runter, kaum konnte ich mich wehren. Der Raum war riesig mit einigen Behelfsweise erbauten Regalen. In den Regalen türmten sich alle verschiedene Augen, die ich je gestohlen hatte. Sie hatte also wirklich meine Sachen hierher gebracht. Ich legte mich nieder und richtete meinen Blick an die Decke. Es waren so wenige Tage und so viel war passiert. Lange Zeit starrte ich Löcher in die Decke, bis mich endlich die sanfte Wiege des Schlafes umfing.

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