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In der Unterwelt war es kalt. Fröstelnd zog ich mein Gewand enger um mich.

„Was war da gerade passiert?“

Die Frage ließ mich nicht mehr los. Ich wollte unbedingt eine Antwort. Noch nie waren wir uns so nahe gekommen, aber noch nie fand ich ihn sexy. Ich sagte mir es läge daran, dass ich noch nie einen Freund hatte und allmählich eine überreife Pflaume war, hatte aber irgendwie Zweifel, dass es wirklich daran liegen könnte. Ich hielt mich rechts und stapfte in die große Halle, dort wo alle Röhren zusammen laufen. Mehrere Leute waren bereits ebenfalls dort, auch wenn ein jeder von uns um diese Zeit eigentlich schlafen sollte, es ging schließlich auf Mittags zu und wir waren Nachtaktiv. Doch ich war nicht die einzige die diesen Lebensrhythmus verabscheute. Wäre ich zu der Zeit abgehauen, wäre ich hoffnungslos ausgeliefert, welches ich mir rein gar nicht hätte erlauben können. Ich wäre schneller tot gewesen als ich Maus hätte auch nur denken können. Ein junger Mann mit hellem rotblondem Haar ging auf mich zu und nahm mich freundschaftlich in den Arm. Irgendwie muss er gemerkt haben, dass ich wieder ein mal vor Cetyn hab fliehen müssen. Ich schmiegte mich in seine kräftigen Arme und sog seinen Duft in mich ein. Wie die anderen der Bruderschaft roch auch er leicht nach Verwesung, Nass und Untergrund, ganz im Gegensatz zu Cetyn der nach Wiesen, Blumen und Himmel gerochen hatte.

„Scheint gut ausgegangen zu sein. Eine Trophäe erwischt Aly?“

„Ein seltenes Augenpaar...“

Ich brach ab weil ich überlegte Kera alles zu erzählen, entschied mich dann aber gegen diese Idee und lächelte ihn mild an. Im Hintergrund hörte ich das Murmeln der anderen. Sie sprachen über mich. Sie mochten mich nicht, missachteten mich. Sie sagten ich würde allen nur Unglück bringen weil mir dieser verdammte Stalker auf den Fersen war. Sie hießen es nicht gut, dass ich mich auch nur mit einem anderen aus der Bruderschaft gut verstand, besonders aber missfiel ihnen, dass ich mich so gut mit Kera verstand. Seufzend löste ich mich von ihm und sah mich um. Die Mitte des Saales war wie eine Kuppel, mehrere Säulen hielten die Decke dort, wo sie hingehört. Die Wände und Decken waren mit Gravitti an gesprüht, wovon man in dieser Finsternis leider kaum etwas sehen konnte. Die Gesichter der Menschen spiegelten die Dunkelheit und den Trübsal wieder, der hier unter der Stadt herrschte. Die 'Stadt unter der Stadt' war eben doch nicht so das, was man wirklich will. Teilweise konnte ich sogar Fetzen von Wut und Hass in ihrer Mimik erkennen. Es jagte mir einen Schauer über den Rücken und meine feinen Härchen stellten sich auf. Ein Kind sprang plötzlich direkt vor mir entlang und ein Schwall Wasser ergoss sich über mich.

„Super. Jetzt sehe ich auch noch aus wie ein nasser Pudel!“

Kera lachte und berührte behutsam meinen Arm.

„Komm. Ich hab eine Stelle gefunden wo wir geschützt ans Tageslicht können. Es ist im alten Bereich, dort stehen nur noch Ruinen!“

Neugierig folgte ich ihm. Ich liebte die Ruinen dort. Fast so sehr wie Augen. Augen waren einfach etwas himmlisches. Sie konnten sie viel aussagen und ihren Besitzer ein jedes mal verraten, sollte er etwas falsches gesagt haben. Kera ging mit mir in Richtung Westen, dort wo die meisten Röhren Lecks haben. Ich war ungern dort. Das Tropfen der kaputten Röhren machte mich jedes Mal wahnsinnig. Aber wenn Kera dort einen Gang nach draußen Gefunden hat war das natürlich perfekt. Dann müsste ich mich nicht mehr durch die große Halle schleichen wenn ich herein oder hinaus wollte. Ich lächelte und wollte schon sagen „Cleverer Bursche“, als er sich zu mir umdrehte und mir anwies ich solle mich ducken und ruhig verhalten. Verwirrt tat ich wie mir geheißen und ging in die Hocke. Er tat es mir gleich. Über uns huschte ein Schwarm Fledermäuse entlang und machte es noch dunkler als es ohnehin schon war. Einige Flügel streiften meine Haare, wenige sogar meine Kopfhaut. Die kleinen Haken der Flügel rissen tiefe Wunden in meine Haut und ich war kurz davor laut aufzuschreien, doch das war es ja, was ich nicht tun sollte. Verdammt sollte er sein, dass er es wagte mit mir hier her zu gehen! Kera schien zu spüren, dass ich schreien wollte da er mir seine schwitzige Hand auf den Mund legte. Sie war nicht nur schwitzig, nein, zu allem Überfluss war sie auch voller Matsch, den er mir mit seiner Geste in den Mund drückte. Besonders lecker! Ich drückte seine Hand auf den Boden und spuckte den Matsch auf den Boden. Er verzog keine Miene, dennoch meinte ich in seinen Augen etwas unheilvolles entdeckt zu haben.

„Jetzt halt endlich den Mund, du versaust noch alles!“

Er giftete mich doch allen ernstes an. Böse musterte ich seine schmächtige Gestalt. Wie konnte er nur so fast vom Fleisch fallen und trotzdem so kräftig sein?! Wieder sah ich Cetyn vor mir, voller Muskeln und diesen wunderschönen Augen. Bei dem Gedanken an seine Augen musste ich laut aufseufzen was Kera dazu veranlasste mich böse und gleichzeitig forschend zu mustern. Wie ich seine Musterungen hasse...

„Ist gut jetzt, du kannst deine neugierigen Augen von mir nehmen! Ich werde kein einziges Geräusch mehr von mir geben!“

„Du brauchst mich gar nicht so anzufauchen. Ich versuche dir etwas tolles zu zeigen und dein Leben zu bewahren und du hast nichts besseres zu tun an mir rum zu meckern und uns beide zu verraten.“

Damit hatte Kera leider recht, ich beschwerte mich wirklich durchgängig. Aber ich wollte unbedingt aus diesem Leben raus, alles genießen können. Mit 26 war doch schon das halbe Leben vorbei und ich habe noch immer keinen Freund, keine Kinder... Zu spät bemerkte ich, dass mein Atem bei dem Gedanken an Kinder immer flacher geworden war. Ob ich eine gute Mutter wäre? Ich hoffte es jedenfalls.

Kera zupfte bereits ungeduldig an meinen weiten Ärmeln. Die Fledermäuse waren bereits eine Weile verschwunden und er wollte ja weiter. Ich ließ mich von ihm fort zerren, war aber in den Gedanken wieder bei meinem Feind. Wie konnte er nur so gemein gut aussehen? Das war doch echt nicht fair.

Als ich gegen eine Petroleumlampe stieß war mir erst wieder bewusst wo ich mich eigentlich befand. Ich war noch immer unter der Erde, aber vor mir war eine Treppe und ein Schachtdeckel. Ein alter Schlüssel war darauf abgebildet. Der Deckel an sich war sehr reich verziert, aber der Schlüssel betraf echt alles. Er war groß, besaß einen breiten Kopf und ein seltsam gezackten Schlossteil. Mit Leichtigkeit drückte Kera den Deckel hinauf und kletterte hinaus. Er ergriff meine Handgelenke und zog mich hinauf. Leider besaß er dabei zu viel Schwung sodass ich auf ihn fiel. Er war warm, was sich irgendwie tröstend anfühlte. Seine dunkelblauen Augen waren wie Teiche in denen man sich verlieren konnte. Er stand auf und zog mich gleich mit auf die Beine. Die Sonne stand mittlerweile am höchsten Punkt, Mittag also. Die Umgebung war einsam, hier und da waren zerfallene Häuser. An einigen wucherte Efeu nur so vor sich hin, wenige andere waren noch recht gut intakt. In der Nähe war eine Mauer. Vor vielen Jahren musste dies mal eine Gartenmauer oder so gewesen sein, zu dem Zeitpunkt aber war sie bereits unkenntlich. Ich wandte mich ab und genoss die wärme der Sonne auf meiner Haut. Es fühlte sich wunderbar an, im Sonnenlicht zu stehen. Doch mein Glück war nur von kurzer Dauer. Jemand sprang von der zerfallenen Mauer die ich noch kurz davor betrachtet hatte. Dieser jemand war...

„Oh verdammt nicht schon wieder Cetyn!“

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