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Christliche DämonologieBearbeiten

Zunächst lebten zu Beginn des Christentums bei einigen Menschen auch die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort. Man glaubte auch in Anlehnung an altjüdische Vorstellungen (so beschrieben bei Lactantius) an zahlreiche auf das Menschengeschlecht vehement einwirkende, allerdings auch durch Menschen zu bannende „Mittelmächte”, die man sich als gefallene Engel oder als Nephilim, Söhne der Engel und der Töchter der Menschen, vorstellte. Alle diese Geister galten als überaus böse und dem Reich Gottes sowie den Menschen feindlich gesinnt.


Die Grundlagen der christlichen Dämonologie wurden von Augustinus entwickelt, der, beeinflusst vom dualistischen Manichäismus, die Lehre von den zwei Reichen begründete, nämlich die civitas Dei (Gottesreich) und die civitas Diaboli (Dämonenreich). Nach der Lehre des Augustinus seien die Dämonen gefallene Engel. Er zweifelte nicht an deren Realität und ihrem wirksamen Eingreifen in den Lauf der Dinge, allerdings nur, soweit Gott es zuließ. Allerdings gab es schon sehr früh einzelne Bischöfe und Synodalbeschlüsse, die den mit Hilfe der Dämonen ausgeführten wahrsagerischen Handlungen jeglichen Wirklichkeitsgehalt absprachen. Im Jahr 820 veröffentlichte der Erzbischof von Lyon Agobard (um 769-840) seinen Liber contra insulsam vulgi opinionem de grandine et tonitruis, wo er den Glauben an die Möglichkeiten der Wettermacher (tempestarii oder immissores tempestatum) als illusorisch verwarf. Das 3. Konzil von Tours (813) lehrte, dass magische Künste und Beschwörungen weder kranken Menschen noch Tieren helfen könnten. Es handele sich vielmehr um Täuschungen der Dämonen. Dieser Text wurde dann auch in das Decretum Gratiani übernommen, wobei allerdings Augustinus fälschlich als Verfasser genannt wurde. Die Existenz des Teufels wurde zwar nicht bezweifelt, aber seine Wirkmöglichkeiten beschränkten sich darauf, den Menschen Illusionen vorzugaukeln, die diese zwar als real wahrnähmen, aber keine eigene Wirklichkeit besäßen. Im Canon episcopi, einem Werk unbekannter Herkunft, das erstmals in der Kanonessammlung des Regino von Prüm veröffentlicht wurde, wurde insbesondere betont, dass die Erlebnisse von Frauen, die behaupteten, mit anderen Frauen nächtens unter Führung der Göttin Diana auf wilden Tieren zu reiten, vom Teufel erzeugte Wahnvorstellungen seien. Der Teufel könne weder Kreaturen in andere verwandeln, noch sei der Nachtflug (später „Hexenflug“) real. Dieser Canon episcopi wurde dann auch im Decretum Gratiani als zwölftes Capitulum der fünften Quästio der Causa 26 übernommen. Die Dekretisten, die das Decretum kommentierten, teilten diese Einschätzung nicht vollständig, sondern nahmen teilweise an, dass mit Hilfe von Dämonen die Erzeugung einer Impotenz, impotentia ex maleficio, möglich sei. Gratian ging davon aus, dass die Dämonen hauptsächlich bei der Wahrsagerei aktiv seien. In diesen Zusammenhang übernahm er einen langen Text zu diesem Thema aus dem Buch De divinatione daemonum des Augustinus.


Dieser Text des Augustinus im Decretum Gratiani befasst sich auch mit der Natur der Dämonen. Sie hätten einen feinstofflichen, luftigen Körper, der ihnen eine schärfere Sinneswahrnehmung als die des Menschen ermögliche. Auf Grund ihrer dauerhaften Existenz hätten sie auch eine bei weitem größere Lebenserfahrung. Auf Grund dieser beiden Eigenschaften könnten sie Zukünftiges voraussagen. Dazu deuteten sie wie ein Arzt natürliche Zeichen (später wurde auch die Wettervorhersage des Landwirts herangezogen), insbesondere den Menschen unbekannte Luftschichten, die sie im Hinblick auf die Zukunft interpretierten. Auch könnten sie für den Menschen nicht erkennbare Zeichen der inneren Gemütsverfassung wahrnehmen und nutzen. Sie könnten auch Krankheiten in ihren luftigen Körper aufnehmen und die Menschen mit dieser krankmachenden Luft infizieren. Sie hätten mit imaginären Erscheinungen auch Zugang zur Gedankenwelt der Menschen. Die Dekretisten folgten im Wesentlichen diesen Vorstellungen. In der kommentierenden anonymen Summa Tractaturus Magister Gratianus de iure canonico wird noch hinzugefügt, dass die Dämonen nach ihrem Sündenfall – anders als die Engel mit ihren feinstofflichen Körpern – auch eines der niederen Elemente in sich aufgenommen hätten, so dass sie im Gegensatz zu Engeln auch leiden könnten. Die französischen Glossenapparate Ecce vicit leo und Animal est substantia vertreten, dass Dämonen nur dann einen Körper annehmen könnten, wenn ihnen Gott das erlaube. Auch sie als körperlose Wesen könnten leiden, allerdings anders als körperliche Wesen.


In ihren Kommentierungen setzten sie sich insbesondere mit der Konkurrenz der Vorhersage der Dämonen mit der Allwissenheit Gottes einerseits und der Willensfreiheit des Menschen andererseits auseinander. Danach sind die Dämonen auf Interpretationen ihrer Beobachtungen angewiesen. Aber die Möglichkeit, die Gedanken der Menschen unmittelbar lesen zu können, wurde abgelehnt. Dies sei allein Gott vorbehalten.


Die in 1 Samuel 28 dargestellte Totenbeschwörung der Hexe von Endor wurde zum Gegenstand sehr spitzfindiger Erörterungen. Dieser Vorgang widersprach der Illusionstheorie. Augustinus ging noch davon aus, dass es Samuel gewesen sei, der erschienen sei, und verurteilte die Handlungsweise der Totenbeschwörerin als Blasphemie. Das Decretum Gratiani lehrte dagegen, es sei nicht Samuel gewesen, der erschienen sei, sondern der Teufel in Gestalt des Samuel. Denn Samuel konnte der Totenbeschwörerin nicht gehorcht haben, da er von Geburt an heilig gewesen sei. Die Prophezeiung, dass Saul fallen werde, sei dem Teufel möglich gewesen, da jeder dem Tode entgegengehende Mensch Zeichen an sich trage, die der Teufel zu lesen verstehe. Außerdem hatte Samuel zu Saul gesagt: „Morgen wirst du samt deinen Söhnen bei mir sein.“ Da Saul als Verworfener nicht dort sein könne, wo sich Samuel befinde, sondern dem Höllenfeuer verfallen gewesen sei, habe der Geist zu erkennen gegeben, dass er in Wahrheit der Teufel sei. Diese Täuschung sei nur möglich gewesen, weil Saul durch seine Verworfenheit ein nur noch eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen besessen und Gott diese Täuschung zugelassen habe.  Der Dekretist Laurentius Hispanus rügt sogar den biblischen Verfasser dieser Episode, dass er nur das dem Saul sichtbare, nicht aber das wirklich Geschehene geschildert habe.


Der erste Brief des Johannes, Kapitel 4, 1-6, mit dem Titel Über die Unterscheidung der Geister , gibt die Anweisung, die Geister danach zu prüfen, ob sie aus Gott sind. Der konkrete Maßstab ist der Inhalt des Glaubens an Jesus Christus.


Die Glaubensgemeinschaft der Christadelphians lehnt sowohl die Vorstellung eines übernatürlichen Satans als auch den Glauben an die Existenz von Dämonen als böse Wesen und Geister als unbiblisch ab und lehrt stattdessen, mit dem Begriff „Dämonen“ würden in der Bibel körperliche, häufig aber auch geistige und seelische Krankheiten bezeichnet.

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